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Manchmal ist es nötig, eine depressive Erkrankung stationär oder teilstationär in einer Klinik zu behandeln, weil sich die Erkrankung so sehr auf deinen Alltag auswirkt, dass viele Dinge für dich kaum oder nicht mehr möglich sind. Teilstationär oder in einer Tagesklinik bedeutet: Die verbringst den Wochentag von morgens bis zum Nachmittag in einer Klinik, in der du verschiedene Behandlungsangebote bekommst und deine Eltern beraten werden. Am Nachmittag gehst du aber immer nach Hause und übernachtest dort auch. Stationär bedeutet: Du verbringst für einen bestimmten Zeitraum deinen gesamten Alltag in einer Spezialklinik, bekommst dort verschiedene Behandlungsangebote und übernachtest dort auch.

Ob ein teilstationärer bzw. stationärer Aufenthalt empfohlen wird, hängt von der Schwere deiner Erkrankung, den Unterstützungsmöglichkeiten durch dein Umfeld (bspw. durch deine Familie), und Therapieangeboten in deiner Umgebung ab.

Wenn du sehr belastende, lebensmüde Gedanken hast oder konkrete Gedanken hast, dein Leben zu beenden, (hier genauer erklärt) ist vorübergehend eine geschützte stationäre Behandlung sinnvoll. Eine Behandlung auf einer geschützten Station bedeutet, dass besondere Vorkehrungen getroffen werden, damit du sicher bist – zum Beispiel, dass immer eine Vertrauensperson in der Nähe ist und du die Station nur verlassen darfst, wenn dies mit dem Behandlungsteam abgesprochen ist. Auf der geschützten Station erhältst du ein intensives Betreuungs- und Behandlungsangebot, begleitet von speziell geschulten Mitarbeiter:innen.

So läuft der Aufenthalt und die Behandlung in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie ab

Ein Team aus Ärzt:innen, Pflege- und Erziehungskräften, Fachtherapeut:innen und Kreativtherapeut:innen kümmert sich um dich. Eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie unterscheidet sich von anderen Krankenhäusern. Denn du brauchst eine Umgebung, die deinem Alter entspricht – und die dich entlastet. Deshalb trägt das Behandlungsteam hier meist keine Kittel und die Behandlungsangebote, Freizeit- und Spielangebote sowie therapeutische Gruppenangebote, sind genau auf dein Alter und deine Entwicklung ausgerichtet. Schulischer Unterricht wird auch angeboten, meist in Kleingruppen und angepasst daran, wie es dir aktuell geht. Mehr Informationen zum (teil)stationären Aufenthalt findest du auch oben im Video.

Während des stationären Aufenthalts bekommst du einen Wochenplan, der dir hilft, deine ganze Woche „auf Station“ zu strukturieren. Er ist individuell abgestimmt und wird mit dir besprochen. So weißt du immer, was als Nächstes kommt: Essenszeiten, Aufsteh- und Zubettgehzeiten, der Schulunterricht, die verschiedenen Psychotherapieangebote (Einzelpsychotherapie, Gruppenpsychotherapie), die Kreativtherapien (wie z.B. Kunst-, Bewegungs- oder Musiktherapie), die Familiengespräche. Und natürlich weißt du so auch, wann du Freizeit hast. Beim vollstationären Aufenthalt bist du entweder in einem Einbettzimmer oder in einem Mehrbettzimmer zusammen mit anderen Jugendlichen deines Geschlechts untergebracht. Auf jeder Station gelten bestimmte Regeln, die z.B. festlegen, wann Ruhezeiten und Besuchszeiten sind oder wann und wie lange du das Handy benutzen darfst. Diese Regeln geben dir Struktur und tragen dazu bei, dass das Zusammenleben auf der Station gut funktioniert.

Während deines Aufenthalts wird dir wahrscheinlich eine Bezugstherapeutin oder ein Bezugstherapeut zugeteilt, die dann die Einzelpsychotherapie mit dir und die Familiengespräche übernimmt. Außerdem gibt es eine Bezugsbetreuerin oder ein Bezugsbetreuer aus dem Pflege- und Erziehungsdienst (PED), mit dem oder mit der du alle deine alltäglichen Probleme besprechen und deine Sorgen teilen kannst. Der PED unterstützt dich z.B. beim Einhalten des Wochenplans.

Falls du dich fragst, ob du Besuch von deiner Familie bekommen, mit ihr telefonieren oder mit deinen Eltern auch mal Ausflüge machen kannst: Klar, kannst du das – bei Ausflügen wird darauf geachtet, dass es dir dafür gut genug geht. Gegen Ende der Therapie darfst du auch mal übers Wochenende nach Hause, um „dein normales Alltagsleben“ zu testen. Du probierst zuhause in gewohnter Umgebung Dinge aus, die du während des Klinikaufenthalts gelernt hast (z.B. die eigene Meinung äußern). Wie häufig und wann solche Ausflüge und Wochenendbesuche stattfinden, hängt auch davon ab, wie schwer du erkrankt bist, und davon, wie belastbar du und deine Familie seid.

Damit du während eines (teil)stationären Aufenthalts nicht den Anschluss an die Schule verlierst, gibt es sogenannte Klinikschulen. Sie sind in unmittelbarer Nähe der Klinik bzw. manchmal auch im gleichen Gebäude untergebracht. In den Klinikschulen werden Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Schularten zusammen unterrichtet (z.B. werden die Klassenstufen zusammengelegt); allerdings sind die Klassen viel kleiner als in der Heimatschule, eine Klasse hat meist nur vier bis acht Schüler:innen. So können sich die Lehrkräfte sehr gut um die einzelnen Schüler:innen kümmern und dafür sorgen, dass sie den Unterrichtsstoff der Heimatschule weiterlernen. Der Unterricht in der Klinikschule ist oft kürzer als in der Heimatschule. Je nach Belastbarkeit und Schwere der Erkrankung wird der Unterricht häufig auf einzelne Stunden beschränkt oder zeitweise (z.B. zu Beginn einer Behandlung) ganz ausgesetzt. Vor dem Ende des stationären Aufenthalts unternimmst du wahrscheinlich auch mal einen sogenannten Außenschulversuch, damit dir der Übergang von der Klinikschule in die Heimatschule leichter fällt. Das bedeutet: Du bist noch (teil)stationär in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, gehst aber für ein paar Stunden (oder auch den ganzen Tag) in eine Schule in der Nähe der Klinik. Du schnupperst Schulnormalität.

Während des Aufenthalts findet normalerweise ein- bis zweimal wöchentlich eine Einzelpsychotherapie (siehe „Psychotherapie“) statt. Dabei arbeitet eine Bezugstherapeutin oder ein Bezugstherapeut in der Regel in einem 50-minütigen Gespräch mit dir an deinen Fragen, Sorgen und Problemen und versucht mir dir gemeinsam, deine Stärken zu entdecken und sie zu fördern. Außerdem gibt es verschiedene Formen von Gruppenpsychotherapie zusammen mit anderen Jugendlichen, die in bestimmten Bereichen ähnliche Schwierigkeiten haben. Es gibt z.B. Gruppen, in denen es um die Verbesserung des Schlafes geht, oder Gruppentrainings für soziale Kompetenzen, in denen es um die Verbesserung der sozialen Fähigkeiten – beispielsweise das „Nein-sagen-lernen“– geht. Ganz wichtig: Regelmäßig werden deine Eltern oder auch andere wichtige Bezugspersonen (z.B. Geschwister, Großeltern) zu Familiengesprächen mit der Bezugstherapeutin oder dem Bezugstherapeut eingeladen. In den Gesprächen geht es darum, wie sie dich während der Behandlung und danach am besten unterstützen können.

Ein weiteres Angebot sind Kreativtherapien wie Kunsttherapie, Musiktherapie, Ergotherapie (siehe „Künstlerische Therapien“). In der Kunsttherapie kannst du zum Beispiel mit Ton deine Gefühle zum Ausdruck bringen. Manche Kinder- und Jugendpsychiatrien bieten auch Sport- und Bewegungstherapie, Arbeitstherapie, Tanztherapie, tiergestützte Therapie an. Außerdem gibt es je nach Klinik verschiedene Freizeitangebote: Kochgruppen, Klettergruppen, Ausflüge und vieles mehr. Du darfst natürlich auch Besuch von Freund:innen bekommen, wenn du das möchtest und es therapeutisch sinnvoll ist. Um dich möglichst schnell wieder an die Alltagsherausforderungen heranzuführen, ist es sogar wichtig, dass du nach Absprache mit den Bezugstherapeut:innen bzw. dem PED Aktivitäten außerhalb der Kinder- und Jugendpsychiatrie unternimmst, dich z.B. mit Freund:innen triffst und ihr zusammen ins Kino geht. Auch hier gilt: Welche Freizeitangebote dir helfen und wann und für wie lange du die Klinik verlassen darfst, hängt von vielen Faktoren ab – deinem Alter, deinem Krankheitsbild, wie schwer erkrankt und wie belastbar du bist.

GANZ WICHTIG: ENTLASTUNG

Viele sind erst mal verunsichert, wenn sie „stationärer Aufenthalt“ hören. Oft ist eine stationäre Aufnahme aber sowohl für die Jugendlichen als auch für die Eltern eine große Entlastung. Weil die Verantwortung nicht mehr allein bei dir und deiner Familie liegt und es guttut, professionell unterstützt zu werden. Ein stationärer Aufenthalt sorgt außerdem dafür, dass der Alltag (neu) strukturiert wird.

Und: Man kann in der Klinik ganz intensiv an bestimmten Problemen arbeiten und Stärken gezielt fördern und Erfahrungen mit anderen Jugendlichen in der Gemeinschaft sammeln. Während des Aufenthalts kümmern sich Expert:innen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Fähigkeiten (medizinischen, psychologischen, pädagogischen, therapeutischen) um dich; so sind eine individuelle Betreuung und Behandlung möglich.

Außerdem ist es gut, dass du dich über mehrere Wochen in unterschiedlichen Situationen erlebst und bei Schwierigkeiten gleich Hilfe bekommst. Das entlastet dich.

Österreich und Schweiz: In Österreich und in der Schweiz ist der Ablauf einer stationären Behandlung zu der in Deutschland ähnlich. Die Bezeichnung der Klinikschulen kann länderspezifisch etwas variieren. In Österreich spricht man auch von Heilstättenschulen; in der Schweiz von Spitalschulen.

Österreich und Schweiz: In Österreich und in der Schweiz ist der Ablauf einer stationären Behandlung zu der in Deutschland ähnlich. Die Bezeichnung der Klinikschulen kann länderspezifisch etwas variieren. In Österreich spricht man auch von Heilstättenschulen; in der Schweiz von Spitalschulen.