1048 Desktop Vor Depression schuetzen

Die folgenden Tipps sind für Mütter wie Väter gedacht, weil beide Elternteile viel tun können, um ihr Kind vor einer Depression zu schützen. Wichtig: Eltern können nicht immer alles schaffen, vor allem nicht alles gleichzeitig. Es kann aus unterschiedlichen Gründen dazu kommen, dass Eltern sich mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert fühlen. Wichtig ist, dass Sie sich selbst rechtzeitig Hilfe holen, wenn Sie sich über längere Zeit bzw. wiederholt überfordert fühlen. Wenden Sie sich dann z.B. an Erziehungsberatungsstellen oder an geeignete Therapeut*innen für Erwachsene.

AN EINER GUTEN BEZIEHUNG ARBEITEN

Was Ihr Kind von Ihnen braucht, ist, dass Sie ihm regelmäßig zeigen und sagen: „Ich liebe und respektiere dich.“ Nehmen Sie sich möglichst oft Zeit, mit Ihrem Kind in Ruhe zu sprechen. Beachten Sie dabei Folgendes:

  • Gespräche möglichst dann anfangen, wenn Ihr Kind offen dafür erscheint.

  • über die echten eigenen Interessen (z.B. Hobbys) Ihres Kindes sprechen.

  • akzeptieren, wenn Ihr Kind eine andere Meinung hat als Sie. Machen Sie klar, dass es mit Ihnen über alles, auch schwierige Themen, sprechen kann.

  • sensible Themen nur ansprechen, wenn Sie mit Ihrem Kind allein und in einer ruhigen Umgebung sind. Dann fällt es Ihrem Kind leichter, sich zu öffnen.

  • das Kind auf einfühlsame Art und Weise ansprechen, z.B. so: „Du siehst besorgt aus, belastet dich etwas?“ oder „Es klingt so, als wärst du wütend. Möchtest du darüber sprechen?”

  • besonders gut zuhören und Ihr Kind bestärken, wenn es über Gefühle spricht; das hilft Ihrem Kind, Gefühle zu benennen, zu verstehen und sie zu bewältigen.

  • die Gefühle Ihres Kindes nicht abweisen oder herunterspielen. Das ist verletzend.

  • Aussagen vermeiden wie: „Stell dich nicht so an, das ist doch alles halb so schlimm“. Solche Aussagen signalisieren Ihrem Kind, dass seine Gefühle unwichtig sind.

  • ein gutes Vorbild sein, Einfühlungsvermögen für die Gefühle anderer zeigen, die Gefühle Ihres Kindes ernst nehmen („Ich kann gut verstehen, dass du wütend bist…“).

KONFLIKTE MIT IHREM KIND REDUZIEREN

Es ist nicht möglich und auch nicht sinnvoll, Konflikte mit Ihrem Kind generell zu vermeiden. Man kann und sollte sie aber reduzieren, so gut es geht. Fragen Sie sich z.B., welche Reibereien eher Lappalien sind (z.B. Kleinigkeiten, die vielleicht auch schon länger her sind) und welche wirklich wichtig oder notwendig für das Wohlergehen und die Sicherheit Ihres Kindes sind. Setzen Sie sich mit den wirklich wichtigen Konfliktpunkten auseinander. Es geht darum, die Konfliktknoten gemeinsam mit Ihrem Kind zu lösen. Was gar nicht geht: beschimpfen und niedermachen. Schenken Sie Ihrem Kind Beachtung und Respekt.

  1. Auch wenn Sie viele Konflikte mit Ihrem Kind haben, zeigen Sie ihm weiterhin Ihre Zuneigung. Versuchen Sie, normale alltägliche Gespräche zu führen. Zeigen Sie, dass Sie für Ihr Kind da sind, auch wenn es abweisend reagiert. Teenager wünschen sich die Liebe und Akzeptanz ihrer Eltern, auch wenn sie das nicht immer zeigen können.

  2. Wiederholtes oder ständiges Kritisiertwerden kann bei Kindern und Jugendlichen u.a. das Risiko für eine Depression erhöhen. Vermeiden Sie deshalb, Ihr Kind auf eine persönliche Art und Weise zu kritisieren (z.B. „Du bist so faul und verwöhnt“). Beziehen Sie sich auf konkretes Verhalten (z.B. „Du steckst gerade so viel Zeit ins Chatten, aber kaum Zeit in die Hausaufgaben. Du solltest deine Zeit besser einteilen“). Wenn Sie merken, dass Sie Ihr Kind auf eine persönliche Art und Weise kritisiert haben, entschuldigen Sie sich dafür.

KONFLIKTE MIT IHRER PARTNERIN ODER IHREM PARTNER REDUZIEREN

Wenn Eltern sich oft und intensiv streiten, erhöht dies das Risiko für ein Kind, an einer Depression zu erkranken. Es ist aber auch keine Lösung, Konflikten mit der Partnerin oder dem Partner grundsätzlich aus dem Weg zu gehen. Ganz wichtig: Wenn Sie einen Partnerkonflikt haben, sollte Ihr Kind sich nicht für eine Seite entscheiden müssen.

Das können Sie konkret tun: Kritisieren Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner nicht persönlich (z.B. „Du bist ein Taugenichts“; „Du bist so selbstsüchtig“), sondern nur ganz konkrete Verhaltensweisen (z.B. „Mich stört, dass du dich nicht selbst darum kümmerst, deinen Reisekoffer zu packen“; „Ich bin sauer, weil du zu spät zum Abendessen kommst. Das war anders verabredet.“).

Falls Sie sehr häufige Konflikte mit Ihre Partnerin oder Ihrem Partner haben, holen Sie sich professionelle Hilfe.

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INTERESSE ZEIGEN AM LEBEN IHRES KINDES

Zeigen Sie, dass Sie wirklich interessiert sind am Leben Ihres Kindes. Bringen Sie sich aktiv ein. So fühlt es sich beachtet und geliebt. Das können Sie konkret tun:

  • regelmäßig etwas mit Ihrem Kind unternehmen („angenehme Aktivitäten“)

  • regelmäßig gemeinsam essen

  • neue Freund*innen Ihres Kindes kennen lernen

  • sich über das Schulgeschehen und die Schulleistungen informieren

  • aktives Interesse an allem zeigen, was in und außerhalb der Schule passiert

SELBSTSTÄNDIGKEIT FÖRDERN

Als Eltern sollten Sie die Aktivitäten, Gedanken und Gefühle Ihres Kindes nicht übermäßig kontrollieren. Denn das kann das Risiko für die Entwicklung einer Depression erhöhen. Finden Sie eine gute Balance zwischen „Ich gebe auf mein Kind acht“ und „Ich gebe meinem Kind Raum“. Folgendes ist dabei wichtig:

  1. Sie sollten wissen, wo sich Ihr Kind aufhält, mit wem es unterwegs ist und was es tut, indem Sie natürliches Interesse zeigen
    (statt kontrollierend zu sein).

  2. Fördern Sie Unabhängigkeit und Eigenverantwortung.

  3. Fragen Sie sich selbst öfter: „Muss ich einschreiten oder kann mein Kind das selbst auf eine gute Art meistern?“

  4. Ermuntern Sie Ihr Kind, verschiedene Aktivitäten und Interessen auszuprobieren, damit es herausfinden kann: „Was interessiert mich, worin bin ich gut?“. Das stärkt das Selbstbewusstsein Ihres Kindes.

  5. Ermuntern Sie Ihr Kind, im Haushalt zu helfen. Geben Sie ihm altersangemessene Aufträge. So übertragen Sie Verantwortung.

KLARE FAMILIENREGELN ETABLIEREN

Wenn Sie klare Regeln früh etablieren, fällt es Ihrem Kind leichter, diese zu befolgen. Passen Sie die Regeln mit der Zeit altersangemessen an (z.B. wann es zuhause sein muss). Beachten Sie dabei Folgendes:

  • Ihr Kind einbeziehen, wenn Sie Regeln entwickeln

  • wenige und einfache Regeln etablieren (z.B. „Wenn ich später nach Hause komme als vereinbart, rufe ich vorher meine Eltern an.“) und sichergehen, dass Ihr Kind die Regeln wirklich verstanden hat

  • erklären, was genau hinter den Regeln steckt. Auch wenn es nicht immer den Anschein hat: Ihr Kind weiß klare Regeln zu schätzen

  • Ihre eigenen Regeln befolgen, ein gutes Vorbild sein

NACHVOLLZIEHBARE KONSEQUENZEN ETABLIEREN

Wenn Regeln nicht beachtet werden, sollte das nachvollziehbare Konsequenzen haben. Dabei ist Folgendes wichtig:

  1. Wenden Sie immer die gleichen Regeln an und etablieren Sie prompte, nachvollziehbare Konsequenzen, wenn die Regeln nicht beachtet werden (z.B., wenn Ihr Kind sich heute nicht an die verabredete Tabletzeit hält, muss es das Tablet bis übermorgen abgeben).

  2. Wenden Sie keine Konsequenzen an, die nichts mit dem Regelbruch zu tun haben (z.B. Staubsaugen für die überschrittene Tabletzeit). Wenden Sie vor allem keine Konsequenzen an, um Ihr Kind zu demütigen (z.B. Aufgaben machen lassen, die keinen Zweck erfüllen).

  3. Behalten Sie die Regeln und Konsequenzen auch dann bei, wenn Sie sich dadurch kurzfristig unbeliebt bei Ihrem Kind machen.

  4. „Belohnen“ Sie Ihr Kind, wenn es sich angemessen verhält bzw. an vereinbarte Regeln hält: Loben Sie es, bedanken Sie sich oder erlauben Sie Ihrem Kind auch mal etwas, das nicht alltäglich ist.

DIE POSITIVEN BEZIEHUNGEN IHRES KINDES STÄRKEN

Gute soziale Fähigkeiten und positive Beziehungen zu haben reduzieren das Risiko,
an einer Depression oder anderen psychischen Störungen zu erkranken.

Durch den Kontakt mit Freund*innen und Bekannten kann Ihr Kind soziale Fähigkeiten ausbauen und neue Hobbys und Interessen finden. So findet es heraus, was ihm wirklich Freude und Spaß macht – und es kann die eigenen Stärken ausbauen.

Positive Beziehungen helfen auch dabei, Stress abzubauen.

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  1. Bestärken Sie Ihr Kind, Zeit mit Freund*innen zu verbringen und sich anderen gegenüber nett und unterstützend zu verhalten (z.B. Hilfe in schwierigen Situationen anzubieten).

  2. Bestärken Sie Ihr Kind darin, positive soziale Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Auch und gerade in stressigen Zeiten sollte Ihr Kind Kontakt zu Freund*innen haben.