Wie zeigt sich eine Depression bei Kindern und Jugendlichen?

1079 Desktop Wie zeigt sich eine Depression

Eine Depression bei Kindern und Jugendlichen ähnelt der Depression im Erwachsenenalter. Jedoch gibt es auch einige Unterschiede im Erscheinungsbild. Verglichen mit Erwachsenen mit einer Depression äußert sich die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen häufiger durch Reizbarkeit, körperliche Beschwerden oder Stimmungsschwankungen. Wir erklären, wie Sie Anzeichen einer Depression bei Kindern und Jugendlichen erkennen können.

Der Alltag mit Heranwachsenden ist manchmal eine Herausforderung. Stimmungsschwankungen, Schulprobleme, Streitereien – gerade in der Pubertät sind sie häufig und gehören bei vielen Teenagern zur Entwicklung dazu.

Auch wenn eine gewisse Gelassenheit dann oft wichtig ist, ist es dennoch ratsam, genau hinzusehen. Denn wenn Kinder oder Jugendliche beispielsweise dauerhaft bedrückt sind, in der Schule Leistungsprobleme entwickeln, ihren Hobbys nicht mehr nachgehen oder immer wieder in Konflikte mit ihrem Umfeld geraten, kann das auch ein Hinweis auf eine Depression sein.

AUF DIESE SYMPTOME SOLLTEN SIE ACHTEN

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Im Folgenden sind die Symptome zusammengefasst, die auf eine Depression hindeuten – sofern sie über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen anhalten und während der meisten Zeit des Tages
auftreten.

Diese Symptome treten nicht unbedingt gleichzeitig auf und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Die drei Hauptsymptome einer Depression sind:

  • eine traurige oder gereizte Stimmung (man „fährt schnell aus der Haut“ und ist z.B. gereizt, wenn man nachfragt, was los ist)

  • Interessenverlust: keine Freude mehr an Dingen, die zuvor Spaß bereitet haben, z.B. den eigenen Hobbys nachgehen oder Freundinnen und Freunde treffen

  • Energie- und Antriebslosigkeit: Probleme, sich zu bestimmten Dingen „aufzuraffen“ (z.B. zum Sportverein zu gehen); erhöhte Ermüdbarkeit, auch nach kleinen Anstrengungen (z.B. Jugendlicher legt sich tagsüber ins Bett)

Zusätzlich können bei depressiven Kindern und Jugendlichen folgende Symptome auftreten:

  • Schlafstörungen: vermehrter oder verminderter Schlaf, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, frühmorgendliches Erwachen (z.B. ein bis zwei Stunden vor der normalen Aufstehzeit)

  • veränderter Appetit (weniger oder mehr Appetit als sonst); Veränderungen im Gewicht

  • das Gefühl, nichts wert zu sein; wenig Selbstvertrauen (Jugendliche sagen oft „Ich kann das doch nicht!“)

  • Schuldgefühle – z.B. Jugendliche fühlen sich schuldig, dass es den Eltern schlecht geht

  • Gedanken an den Tod oder daran, dass das Leben keinen Sinn mehr hat; Gedanken, sich das Leben zu nehmen

  • Aggressivität und Reizbarkeit

  • Konzentrationsschwierigkeiten, Unaufmerksamkeit oder andere Denkstörungen, z.B. verlangsamtes Denken

  • Probleme, Entscheidungen zu treffen – z.B. was man morgens anziehen oder als Nächstes tun soll

  • motorische Unruhe („nicht stillsitzen können“) oder eingeschränkte, verlangsamte Bewegungen

  • Rückzug von Familie und Freundeskreis; Meiden von gemeinsamen Unternehmungen

  • Gefühle von Einsamkeit (Jugendliche sagen „Mich mag niemand! Es ruft keiner mehr an!“)

  • häufiges Weinen

  • Grübeln und negatives Denken: Gefühle von Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung; Sorgen und Ängste, z.B. vor der Zukunft

  • geringe Belastbarkeit, schnelle Überforderung auch bei Kleinigkeiten, wie z.B. beim Packen der Schultasche

  • Ängstlichkeit

  • Schulprobleme und Leistungseinbruch

  • Körperliche Beschwerden, z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Verdauungsstörungen

SYMPTOME RICHTIG DEUTEN

Eine Schwierigkeit liegt darin, dass einige der genannten Symptome mit normalem pubertärem Verhalten verwechselt werden können. So kann z.B. eine gereizte Stimmung auch bei gesunden Heranwachsenden vorkommen.

Eine Depression besteht erst, wenn mehrere Symptome gleichzeitig auftreten, über mindestens zwei Wochen und während der meisten Zeit des Tages anhalten. Ob tatsächlich eine Depression (in der Fachsprache auch „depressive Episode“ genannt) vorliegt und welchen Schweregrad sie hat, kann allerdings nur von speziell ausgebildeten Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen festgestellt
werden.

Die obenstehende Liste gibt Ihnen eine erste Hilfestellung, welche Symptome bei einer Depression auftreten können.

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UNTERSCHIEDE ZWISCHEN MÄDCHEN UND JUNGEN

Viele Symptome der Depression zeigen sich bei Mädchen und Jungen in ähnlicher Weise. Es gibt aber auch Symptome und Verhaltensweisen, die eher bei Mädchen oder eher bei Jungen auftreten. Hier einige Beispiele:

  • Depressive Mädchen leiden im Vergleich zu Jungen mit Depression vermehrt unter Schuld- und Versagensgefühlen und einem niedrigen Selbstwertgefühl.

  • Mädchen sind zudem häufiger mit ihrem Körper unzufrieden und leiden unter Appetitlosigkeit.

  • Jungen mit Depression dagegen zeigen eine erhöhte Reizbarkeit. D.h., sie fühlen sich schneller persönlich angegriffen und reagieren dann gereizt. Dadurch können sie auch vermehrt in Streitereien verwickelt sein. Dieses Anzeichen wird aber häufig nicht gleich mit einer Depression in Verbindung gebracht.

  • Zudem neigen Jungen eher dazu, ihre Depression zu verharmlosen. Ein Grund dafür können gesellschaftliche Rollenbilder sein („Jungs weinen nicht. Jungs müssen stark sein.“). So ist es gesellschaftlich eher akzeptiert, dass Mädchen traurig oder depressiv sind.

  • Durch Verhaltensweisen wie das Verharmlosen oder eher durch das Auftreten von unspezifischen Merkmalen der Depression wie z. B. eine Reizbarkeit kann es sein, dass eine Depression bei Jungen manchmal schwerer zu erkennen ist.

ERSTE HILFE BEI HOFFNUNGSLOSIGKEIT

Depressive Erkrankungen können sehr belastend und kräftezehrend sein. Während einer Depression erscheint oft vieles sehr negativ und hoffnungslos. Viele Kinder und Jugendliche, bei denen die Depression erfolgreich behandelt wurde, berichten rückblickend, dass sie während der Erkrankung den Eindruck hatten, ihre Situation werde sich „nie wieder“ bessern und die Depression „ewig“ anhalten. Diese hoffnungslosen Gedanken sind Teil der Erkrankung. Eine wichtige Botschaft lautet aber: Die Depression kann man gut behandeln.

Manche Kinder und Jugendliche denken in schwierigen Phasen der Erkrankung auch daran, nicht mehr leben zu wollen oder sich etwas anzutun (Suizidgedanken). Oft zögern sie dann, sich jemandem anzuvertrauen, weil sie sich z.B. schämen oder die Sorge haben, andere mit ihren Gedanken zu belasten. Auch denken manche Kinder und Jugendliche, dass andere sie nicht verstehen und ihnen nicht helfen können. Wichtig ist, dass Sie solche Gedanken in jedem Fall ernst nehmen – und dass Sie wissen:

Es gibt Wege, solche Krisen mit der richtigen Behandlung zu überwinden.

WICHTIGE TIPPS FÜR ELTERN

Wenn Ihr Kind den Gedanken äußert, nicht mehr leben zu wollen, oder Sie Hinweise dafür haben, dass Ihr Kind lebensmüde Gedanken hat, holen Sie sich Unterstützung. Lassen Sie solche Gedanken unbedingt von einer Fachperson einschätzen. Wenn Ihr Kind in einer akuten Krise steckt und schnell Hilfe braucht, begleiten Sie Ihr Kind ins nächste Krankenhaus oder rufen Sie den Notarzt (112).

Beachten Sie zudem bitte Folgendes:

  • Nehmen Sie lebensmüde Gedanken oder gar Selbstmordversuche ernst. Nehmen Sie auch Äußerungen ernst, die darauf hindeuten, dass Ihr Kind starke Hoffnungslosigkeit empfindet.

  • Lassen Sie sich auf ein Gespräch ein und hören Sie Ihrem Kind zu. Es ist nicht hilfreich, Ihrem Kind lebensmüde Gedanken auszureden, es zu verurteilen oder ihm Vorwürfe zu machen. Machen Sie Ihrem Kind deutlich: „Dir kann geholfen werden!“

  • Wenn Sie denken, dass Ihr Kind lebensmüde Gedanken hat oder sich etwas antun könnte – sprechen Sie es darauf an. Oft denken Angehörige, dass sie ihr Kind durch ein Gespräch auf den Gedanken bringen könnten, sich wirklich etwas anzutun. Diese Vermutung trifft aber nicht zu. Indem Sie Ihrem Kind die Möglichkeit geben, über lebensmüde Gedanken zu sprechen, können Sie dazu beitragen, einen Selbstmordversuch zu verhindern.

  • Wenn Ihr Kind in Behandlung ist, informieren Sie die Behandlerin oder den Behandler über lebensmüde Gedanken. Lassen Sie sich von ihm beraten, was Sie als Elternteil tun können.

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Podcast

Thema: Krisen und Suizidalität

Hören Sie doch mal rein!

Im Notfall (wenn Sie denken, dass sich Ihr Kind gleich etwas antun wird):

  • Nehmen Sie Ihr Kind ernst.

  • Lassen Sie sich auf ein Gespräch mit Ihrem Kind ein. Hören Sie zu und halten Sie das Gespräch in Gang.

  • Rufen Sie den Notarzt (112) oder begleiten Sie Ihr Kind ins nächste Krankenhaus.

  • Lassen Sie Ihr Kind in dieser Situation nicht allein.