1412 05 Desktop Photo Depressionen bei Ki Ju behandelt

Was ist eine Psychotherapie?

Die Psychotherapie ist eine Methode, um psychische Erkrankungen zu behandeln. Dabei finden Gespräche zwischen Psychotherapeut*in und Patient*in statt. Bei manchen Formen der Psychotherapie macht man auch Übungen, z. B. Rollenspiele (z. B. um das Verhalten in schwierigen Situationen zu üben). Oder man trainiert bestimmte soziale Fertigkeiten wie „Nein sagen“ oder „eigene Rechte durchsetzen“.

  1. Zu Beginn einer Psychotherapie wird eine Diagnostik durchgeführt. Diese umfasst unter anderem Gespräche, Untersuchungen und Fragebögen. Mithilfe der Informationen aus der Diagnostik kann festgestellt werden, ob Ihr Kind eine Depression hat, wie stark diese ausgeprägt ist und ob es außer der Depression noch andere psychische Erkrankungen hat, z. B. eine Essstörung.

  2. Die Diagnostik gibt auch erste Hinweise darauf, wie Ihrem Kind am besten geholfen werden kann. Die Therapeutin oder der Therapeut klärt Sie und Ihr Kind dann über die Art der Erkrankung und auch die Entstehung der Depression auf.

  3. In der Psychotherapie wird ausführlich darüber gesprochen, was Ihrem Kind Schwierigkeiten macht: Das können zum Beispiel negative Gefühle (beispielsweise Traurigkeit), belastende Gedanken („Ich bin schuld daran, dass es meinen Eltern schlecht geht!“) oder Probleme im Alltag (Streitigkeiten mit Eltern oder Freunden) sein.

Es gibt unterschiedliche Arten der Psychotherapie. Für Kinder und Jugendliche mit einer Depression werden diese beiden empfohlen:

Hier geht es vor allem darum, zu erkennen, dass Gedanken und Verhaltensweisen einen großen Einfluss auf die Stimmung Ihres Kindes haben. Die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut leitet Ihr Kind an, „ungünstige“ Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen, die zu einer schlechten Stimmung führen. Es kann darum gehen, Gedanken wie „Keiner mag mich“ oder „Ich bin eine Versagerin / ein Versager“ zu erkennen, zu hinterfragen und zu verändern. Ihr Kind lernt, solche „ungünstigen“ Gedanken durch „günstige“ Gedanken zu ersetzen, zum Beispiel: „Meine Freundinnen und Freunde haben mich sehr gern“.
Ihr Kind wird auch dabei unterstützt, zu erkennen, welche Verhaltensweisen zu seiner schlechten Stimmung beitragen (beispielsweise, dass es sich von Freundinnen und Freunden zurückzieht und viel zuhause sitzt). Gemeinsam mit Ihrem Kind (und auch mit Ihnen) überlegt die Therapeutin oder der Therapeut, was verändert werden kann, damit es Ihrem Kind besser geht (z. B. schöne Aktivitäten mit Freundinnen und Freunden planen, dem Alltag eine neue, gesündere Struktur geben).

Charakteristisch für die Kognitive Verhaltenstherapie sind auch unterschiedliche praktische Übungen, z. B. Rollenspiele (in denen Ihr Kind übt, schwierige Situationen zu meistern) oder Entspannungsübungen. Ihr Kind bekommt auch Übungen für zuhause wie diese: „Sprich ein schwieriges Thema mit deinen Eltern an, das dir am Herzen liegt“. So übt Ihr Kind bestimmte Verhaltensweisen im Alltag ein und lernt, schwierige Situationen auch ohne Psychotherapeut*in zu bewältigen.

Die Kognitive Verhaltenstherapie kann als Kurzzeittherapie durchgeführt werden, dann umfasst sie 24 Termine. Sie kann aber auch auf bis zu 80 Termine verlängert werden. Die Anzahl der Termine hängt unter anderem von der Schwere der Depression, möglichen psychischen Begleiterkrankungen (wie z. B. Angststörungen) sowie dem Verlauf der Behandlung ab. In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kognitive Verhaltenstherapie in Deutschland, wenn eine psychische Erkrankung wie die Depression vorliegt. Private Krankenkassen haben dazu unterschiedliche Regelungen.

Österreich und Schweiz: Hier ist die Sitzungsdauer beziehungsweise die Bewilligung der Kosten der Psychotherapie anders geregelt. Je nach Problem beziehungsweise Störungsbild und Therapieziel wird gemeinsam individuell eine Anzahl von Sitzungen festgelegt. Informationen zur Bewilligung der Kosten für Psychotherapien finden Sie hier

(wobei diese in Deutschland, Österreich und der Schweiz bislang nur sehr wenig verbreitet ist). Die Kosten werden in der Regel bislang noch nicht von den Krankenkassen übernommen.
Ihr Kind lernt, wie es mit diesen zwischenmenschlichen Problemen besser umgehen kann. So kann Ihr Kind z. B. lernen, wie es Konflikte besser entschärfen oder lösen kann. Die Interpersonelle Therapie ist eine Kurzzeittherapie und dauert nur 16 Sitzungen. Sie findet vor allem im Jugend- und Erwachsenenalter Anwendung. Die Kosten werden in der Regel bislang noch nicht von den Krankenkassen übernommen. Außerdem bieten bisher leider nur wenige Therapeut*innen diese Therapieform an.

Österreich und Schweiz: Informationen zur Relegung der Kostenübernahme finden Sie hier

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Welche Psychotherapieformen können auch sinnvoll sein?

Wenn Sie sich gegen eine Kognitive Verhaltenstherapie oder eine Interpersonelle Psychotherapie entscheiden, empfiehlt die Leitlinie andere Psychotherapieformen. Diese Behandlungen können auch sinnvoll sein, wenn eine der bereits empfohlenen Behandlungen nicht durchgeführt werden kann, zum Beispiel, weil sie an Ihrem Wohnort nicht verfügbar sind.

In diesen Fällen wird eine Psychodynamische oder Systemische Psychotherapie empfohlen.

Die Psychodynamische Psychotherapie umfasst die sogenannte Tiefenpsychologische Psychotherapie und die Analytische Psychotherapie. Diese Behandlungsansätze gehen davon aus, dass unbewusste Erinnerungen oder Gefühle an frühe Trennungen und negative Erfahrungen die aktuelle Depression Ihres Kindes auslösen. Unbewusst bedeutet, dass die Erinnerungen und Gefühle in einem Menschen „abgespeichert“ sind und sein Verhalten beeinflussen. Man kann diese Erinnerungen und Gefühle aber nicht bewusst aufrufen.

Stellen Sie sich das wie bei einem Eisberg vor: Die Eisscholle, die unter dem Wasser im Meer „versteckt“ ist, stellt das Unbewusste dar. Der Eisberg, der sichtbar ist, wird von seinem „versteckten“ Teil beeinflusst (etwa dadurch, wie weit dieser ins Wasser ragt). Beispielsweise kann Ihr Kind sich verlassen gefühlt haben, weil ein Elternteil längere Zeit im Krankenhaus war. Die Psychodynamische Psychotherapie nimmt an, dass solche Erfahrungen und Gefühle zu einem späteren Zeitpunkt eine Depression auslösen können.

Diese unbewussten Gefühle und Erinnerungen werden durch die therapeutische Behandlung ins Bewusstsein gerufen. Im Rahmen der Behandlung geht es dann darum, dass Ihr Kind ungelöste Konflikte versteht, gute Beziehungserfahrungen macht und seine Stärken erkennt. Das alles trägt zur Linderung der Depression bei.
Zur Psychodynamischen Psychotherapie gehören mehrere Behandlungsverfahren: die Tiefenpsychologische Psychotherapie und die Analytische Psychotherapie. Beide Methoden sind ähnlich, bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie stehen allerdings mehr die aktuellen Probleme und Konflikte im Vordergrund.

Auch für diese Behandlung gibt es übrigens Kurztherapien. Psychodynamische Behandlungen werden von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, private Krankenkassen haben hierzu unterschiedliche Regelungen.

Die Systemische Psychotherapie geht davon aus, dass anhaltende Probleme in den Beziehungen mit anderen Menschen eine Ursache der Depression sind. Deshalb ist Ihr Kind auch nicht allein in Behandlung, sondern es werden zusätzlich Personen aus der Familie wie Sie als Eltern (oder auch andere wichtige Personen) stark mit einbezogen. Man behandelt sozusagen das Familien- oder Freunde-System.

In der Behandlung können unterschiedliche Themen besprochen werden: die Probleme, die Ihr Kind z. B. mit Geschwistern hat oder die zwischen ihm und Ihnen als Eltern auftreten, die Probleme der anderen Familienmitglieder untereinander oder Probleme in den Beziehungen der Familienmitglieder mit anderen Personen. In der Behandlung arbeitet man z. B. an Problemen in der gemeinsamen Verständigung und an Beziehungsschwierigkeiten. Die Systemische Psychotherapie wird in der Regel bei Kindern und Jugendlichen nicht von den Krankenkassen übernommen (ab dem 18. Lebensjahr wäre dies bei Psychologischen Psychotherapeuten möglich).