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Was ist eine Psychotherapie?

Die Psychotherapie ist eine Methode, um psychische Erkrankungen zu behandeln. Dabei finden Gespräche zwischen Psychotherapeut:in und Patient:in statt. Bei manchen Therapieformen macht man auch Übungen, z. B. Rollenspiele (z. B. um das Verhalten in schwierigen Situationen zu üben). Oder man trainiert bestimmte soziale Fertigkeiten wie „Nein sagen“ oder „eigene Rechte durchsetzen“.

  1. Es gibt einen bestimmten Ablauf in der Psychotherapie. Zu Beginn einer Psychotherapie wird in der Regel eine Diagnostik durchgeführt. Diese umfasst unter anderem Gespräche, Untersuchungen und Fragebögen. Mithilfe der Informationen aus der Diagnostik kann festgestellt werden, ob Ihr Kind eine Depression hat, wie stark diese ausgeprägt ist und ob es außer der Depression noch andere psychische Erkrankungen, sogenannte Komorbiditäten hat, z. B. eine Essstörung.

  2. Die Diagnostik gibt auch erste Hinweise darauf, wie Ihrem Kind am besten geholfen werden kann. Die Therapeutin oder der Therapeut klärt Sie und Ihr Kind dann über die Art der Erkrankung und auch die Entstehung der Depression auf.

  3. In der Psychotherapie wird ausführlich darüber gesprochen, was Ihrem Kind Schwierigkeiten macht: Das können zum Beispiel negative Gefühle (beispielsweise Traurigkeit), belastende Gedanken („Ich bin schuld daran, dass es meinen Eltern schlecht geht!“) oder Probleme im Alltag (Streitigkeiten mit Eltern oder Freund:innen) sein.

  4. Gemeinsam mit Ihrem Kind (und auch mit Ihnen) überlegt die Therapeutin oder der Therapeut dann, wie die Probleme am besten gelöst und die negativen Gefühle und Gedanken verändert werden können. Eine Psychotherapie findet meistens einmal in der Woche über einen längeren Zeitraum statt. Eine Sitzung dauert meist 50 Minuten. Dauer und Umfang der Psychotherapie sind auch abhängig vom Schweregrad der Depression, von der Art der Psychotherapie und von der Krankenkasse, bei der Sie Ihr Kind versichert haben.

  5. Psychotherapie kann als Einzeltherapie und als Gruppentherapie durchgeführt werden. Teilweise eignet sich auch eine Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie, wenn Ihr Kind beispielsweise Schwierigkeiten im Kontakt mit Gleichaltrigen hat. In der Gruppentherapie kann es sich dann mit anderen Jugendlichen über ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam üben. Daneben kann die Psychotherapie auch im Rahmen einer Familientherapie zum Einsatz kommen. Hier steht nicht der einzelne Patient bzw. die einzelne Patientin im Zentrum, sondern die ganze Familie.

Die Länge einer Psychotherapie unterscheidet sich je nach Therapieform. Bei einer Verhaltenstherapie, z.B. gibt es sogenannte Kurzzeittherapien mit 12 Sitzungen und Langzeittherapien mit bis zu 80 Sitzungen. Bei einem positiven Behandlungsverlauf werden die Abstände zwischen den Sitzungen gegen Ende häufig länger. Sollte es zu Rückfällen oder Verschlechterungen kommen, kann das dann in der Psychotherapie besprochen und die Behandlung angepasst werden. Zusätzlich zu den Sitzungen Ihres Kindes haben Sie als Eltern i.d.R. die Möglichkeit, ca. jede vierte Psychotherapiesitzung ausführlich mit dem Therapeuten/der Therapeutin Ihres Kindes zu sprechen, um Sie bestmöglich in die Behandlung Ihres Kindes einzubeziehen.

Bei jeder Behandlungsform können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, so auch bei der Psychotherapie. Diese sind allerdings weniger spezifisch, wie es bei der Behandlung mit einem Medikament der Fall ist. Trotzdem sollte der Therapeut bzw. die Therapeutin Ihr Kind und Sie über mögliche unerwünschte Auswirkungen durch die Behandlung aufklären. Beispielsweise sollten Sie und Ihr Kind darüber informiert werden, dass der Therapieverlauf oft nicht nur stetig positiv ist. Da Ihr Kind in den Sitzungen an Schwierigkeiten und Herausforderungen arbeitet, kann dies kurzfristig auch dazu beitragen, dass Ihr Kind zeitweise z.B. nachdenklicher ist. Über die Therapie hinweg sollte Ihr Kind jedoch Schritt für Schritt ein besseres Verständnis für sich selbst und den Umgang mit der Erkrankung erlernen, sodass es ihm bessergeht. Wenn Sie den Eindruck haben, dass es Ihrem Kind nach einer Therapiestunde schlechter geht oder Sie andere Veränderungen bemerken, die Ihnen Sorgen machen, sollten Sie das in jedem Fall mit Ihrem Kind und bei der Therapeutin oder dem Therapeuten ansprechen.

In der Psychotherapie werden zu Beginn der Behandlung gemeinsam Ihrem Kind und auch mit Ihnen als Eltern individuelle Therapieziele festgelegt (z.B. „Ich möchte, dass mein Kind einen besseren Umgang mit Stress in der Schule erlernt“ oder „ich möchte, dass wir in der Familie weniger Konflikte haben“). Im Rahmen der Therapie ist es wichtig, diese Ziele regelmäßig zu besprechen und zu überprüfen, ob es Ihrem Kind bessergeht, ob z.B. seine Stimmung generell besser ist und es mehr Antrieb hat. Dafür ist die Einschätzung Ihres Kindes, aber auch Ihre als Eltern sowie die der Therapeutin bzw. des Therapeuten wichtig. Zu diesem Zweck setzen Psychotherapeut:innen oft Fragebögen ein. Wenn sich herausstellt, dass es Ihrem Kind nach einer Weile (z.B. nach 2-3 Monaten) nicht bessergehen sollte, kann es sinnvoll sein, die Behandlung zu verändern bzw. anzupassen.

Wenn Ihr Kind oder Sie das Gefühl haben, dass die Psychotherapie nach mehreren Wochen nicht den gewünschten Effekt bringt und es Ihrem Kind nicht bessergeht, sollten Sie das auf jeden Fall bei der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten ansprechen. Gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kind kann dann überlegt werden, ob ein anderes Psychotherapieverfahren oder eine (zusätzliche) Behandlung mit einem Antidepressivum sinnvoll ist. In einigen Fällen kann der ausbleibende Therapieerfolg auch daran liegen, dass eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, sondern eine (teil-)stationäre Behandlung zu dem Zeitpunkt besser geeignet ist.

Es gibt unterschiedliche Arten der Psychotherapie. Für Kinder und Jugendliche mit einer Depression ist die Kognitive Verhaltenstherapie das Verfahren der 1. Wahl.

In der Kognitiven Verhaltenstherapie geht es vor allem darum, zu erkennen, dass Gedanken und Verhaltensweisen einen großen Einfluss auf die Stimmung Ihres Kindes haben. Die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut leitet Ihr Kind an, „ungünstige“ Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen, die zu einer schlechten Stimmung führen. Es kann darum gehen, Gedanken wie „Keiner mag mich“ oder „Ich bin eine Versagerin / ein Versager“ zu erkennen, zu hinterfragen und zu verändern. Ihr Kind lernt, solche „ungünstigen“ Gedanken durch „günstige“ Gedanken zu ersetzen, zum Beispiel: „Meine Freundinnen und Freunde haben mich sehr gern“.


Ihr Kind wird auch dabei unterstützt, zu erkennen, welche Verhaltensweisen zu seiner schlechten Stimmung beitragen (beispielsweise, dass es sich von Freundinnen und Freunden zurückzieht und viel zuhause sitzt). Gemeinsam mit Ihrem Kind (und auch mit Ihnen) überlegt die Therapeutin oder der Therapeut, was verändert werden kann, damit es Ihrem Kind besser geht (z. B. schöne Aktivitäten mit Freundinnen und Freunden planen, dem Alltag eine neue, gesündere Struktur geben).


Charakteristisch für die Kognitive Verhaltenstherapie sind auch unterschiedliche praktische Übungen, z.B. Rollenspiele (in denen Ihr Kind übt, schwierige Situationen zu meistern) oder Entspannungsübungen. Ihr Kind bekommt auch Übungen für zuhause wie diese: „Sprich ein schwieriges Thema mit deinen Eltern an, das dir am Herzen liegt“. So übt Ihr Kind bestimmte Verhaltensweisen im Alltag ein und lernt, schwierige Situationen auch ohne Psychotherapeut:in zu bewältigen.


Die Kognitive Verhaltenstherapie kann als Kurzzeittherapie durchgeführt werden, dann umfasst sie 24 Termine. Sie kann aber auch auf bis zu 80 Termine verlängert werden. Die Anzahl der Termine hängt unter anderem von der Schwere der Depression, möglichen psychischen Begleiterkrankungen (wie z. B. Angststörungen) sowie dem Verlauf der Behandlung ab. In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kognitive Verhaltenstherapie in Deutschland, wenn eine psychische Erkrankung wie die Depression vorliegt. Private Krankenkassen haben dazu unterschiedliche Regelungen.


Österreich und Schweiz: Hier ist die Sitzungsdauer beziehungsweise die Bewilligung der Kosten der Psychotherapie anders geregelt. Je nach Problem beziehungsweise Störungsbild und Therapieziel wird gemeinsam individuell eine Anzahl von Sitzungen festgelegt. Informationen zur Bewilligung der Kosten für Psychotherapien finden Sie hier.


Welche Psychotherapieformen können auch sinnvoll sein?

Wenn Sie und Ihr Kind sich gegen eine Kognitive Verhaltenstherapie entscheiden, empfiehlt die Leitlinie die Interpersonelle Psychotherapie.

Bei der Interpersonellen Psychotherapie geht es vor allem darum, Probleme in Beziehungen zu erkennen, die Ihr Kind mit nahestehenden Personen (zum Beispiel mit Freunden oder in der Familie) oder seinem sozialen Umfeld hat. Man nimmt an, dass diese Probleme – zum Beispiel häufige Konflikte mit den Eltern, Schwierigkeiten, Freundschaften zu knüpfen, die schrittweise Ablösung vom Elternhaus im Jugendalter – entscheidend zur schlechten Stimmung beitragen und sie aufrechterhalten. Ihr Kind lernt, wie es mit diesen zwischenmenschlichen Problemen besser umgehen kann. So kann Ihr Kind z. B. lernen, wie es Konflikte besser entschärfen oder lösen kann. Die Interpersonelle Therapie ist eine Kurzzeittherapie und dauert nur 16 Sitzungen. Die Kosten werden in der Regel bislang nicht von den Krankenkassen übernommen. Außerdem bieten bisher leider nur wenige Therapeut:innen diese Therapieform an.


Österreich und Schweiz: Informationen zu den Regelungen der Kostenübernahme finden Sie hier.

Wenn für Ihr Kind und Sie weder eine Kognitive Verhaltenstherapie noch eine Interpersonelle Psychotherapie in Frage kommt, können andere Behandlungsmethoden abgewogen werden. Diese Alternativen können auch sinnvoll sein, wenn eine der beiden empfohlenen Behandlungen nicht durchgeführt werden kann, zum Beispiel, weil sie an Ihrem Wohnort nicht verfügbar sind.

In diesen Fällen wird eine Psychodynamische oder Systemische Psychotherapie empfohlen.

Die Psychodynamische Psychotherapie umfasst die sogenannte Tiefenpsychologische Psychotherapie und die Analytische Psychotherapie. Diese Behandlungsansätze gehen davon aus, dass unbewusste Erinnerungen oder Gefühle an frühe Trennungen und negative Erfahrungen die aktuelle Depression Ihres Kindes auslösen. Unbewusst bedeutet, dass die Erinnerungen und Gefühle in einem Menschen „abgespeichert“ sind und sein Verhalten beeinflussen. Man kann diese Erinnerungen und Gefühle aber nicht bewusst aufrufen.


Stellen Sie sich das wie bei einem Eisberg vor: Die Eisscholle, die unter dem Wasser im Meer „versteckt“ ist, stellt das Unbewusste dar. Der Eisberg, der sichtbar ist, wird von seinem „versteckten“ Teil beeinflusst (etwa dadurch, wie weit dieser ins Wasser ragt). Beispielsweise kann Ihr Kind sich verlassen gefühlt haben, weil ein Elternteil längere Zeit im Krankenhaus war. Die Psychodynamische Psychotherapie nimmt an, dass solche Erfahrungen und Gefühle zu einem späteren Zeitpunkt eine Depression auslösen können.


Diese unbewussten Gefühle und Erinnerungen werden durch die therapeutische Behandlung ins Bewusstsein gerufen. Im Rahmen der Behandlung geht es dann darum, dass Ihr Kind ungelöste Konflikte versteht, gute Beziehungserfahrungen macht und seine Stärken erkennt. Das alles trägt zur Linderung der Depression bei.


Zur Psychodynamischen Psychotherapie gehören mehrere Behandlungsverfahren: die Tiefenpsychologische Psychotherapie und die Analytische Psychotherapie. Beide Methoden sind ähnlich, bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie stehen allerdings mehr die aktuellen Probleme und Konflikte im Vordergrund.


Auch für diese Behandlung gibt es übrigens Kurztherapien. Psychodynamische Behandlungen werden von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, private Krankenkassen haben hierzu unterschiedliche Regelungen.

Die Systemische Psychotherapie geht davon aus, dass anhaltende Probleme in den Beziehungen mit anderen Menschen eine Ursache der Depression sind. Deshalb ist Ihr Kind auch nicht allein in Behandlung, sondern es werden zusätzlich Personen aus der Familie wie Sie als Eltern (oder auch andere wichtige Personen) stark mit einbezogen. Man behandelt sozusagen das Familiensystem.


In der Behandlung können unterschiedliche Themen besprochen werden: die Probleme, die Ihr Kind z. B. mit Geschwistern hat oder die zwischen ihm und Ihnen als Eltern auftreten, die Probleme der anderen Familienmitglieder untereinander oder Probleme in den Beziehungen der Familienmitglieder mit anderen Personen. In der Behandlung arbeitet man z. B. an Problemen in der gemeinsamen Verständigung und an Beziehungsschwierigkeiten. Die Systemische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen wird von den Krankenkassen übernommen, bei privaten Krankenkassen können die Regelungen abweichen.