1065 Desktop Alltagsgestaltung

Wenn Kinder oder Jugendliche an einer Depression erkranken, kann das zu einer großen Herausforderung für die gesamte Familie werden. Es kommt vor, dass Sie sich als Eltern dann unsicher, teilweise auch überfordert fühlen. Im Umgang mit Ihrem Kind stellen Sie sich jetzt sicher viele Fragen, z.B. „Was kann ich als Elternteil bei einer Depression meines Kindes tun?“, „Wie gehe ich mit Gefühlen von Traurigkeit und Gereiztheit bei meinem depressiven Kind um?“, „Wie verhalte ich mich, wenn mein Kind den Gedanken äußert, sich etwas anzutun?“. Im Folgenden finden Sie einige Antworten und konkrete Tipps, wie Sie Ihr Kind während der Depression unterstützen können. Denn Sie sind enorm wichtig dafür, dass Ihr Kind die Depression bewältigt. Es geht in der Regel nicht darum, dass Sie als Eltern Ihren Erziehungsstil komplett umstellen.

Sie sind nicht die Therapeutin oder der Therapeut Ihres Kindes, sondern Mutter bzw. Vater. Es geht vielmehr darum, (verstärkt) auf positive Verhaltensweisen im Umgang mit Ihrem depressiven Kind zu achten. Wichtig ist, dass Sie Ihr Kind ernst nehmen. Zeigen Sie ihm: „Ich hab dich lieb. Ich unterstütze dich. Wir schaffen das.“ Ein depressives Kind kann viele Gefühle in Ihnen auslösen: Sie können Schuldgefühle gegenüber Ihrem Kind haben, Hilflosigkeit verspüren oder Angst, Traurigkeit, Wut und Ärger empfinden. Es ist verständlich und normal, wenn Sie solche Gefühle bei sich wahrnehmen. Es ist aber auch wichtig, dass Sie Ihr eigenes Wohlbefinden nicht außer Acht lassen und sich als Eltern rechtzeitig professionelle Hilfe suchen, wenn Sie merken, dass Sie an Ihre Belastungsgrenze kommen. Wenden Sie sich dann z.B. an Erziehungsberatungsstellen oder an geeignete Psychotherapeut*innen für Erwachsene. Hier finden Sie Tipps zum Umgang mit einem depressiven Kind.

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  1. Struktur und Regeln

    Auch wenn Ihr Kind müde, antriebs- und freudlos erscheint: Es braucht eine feste Tagesstruktur. Dazu zählen regelmäßige Zeiten in Bezug auf das Schlafen, Aufstehen und Essen. Es ist auch wichtig, dass Ihr Kind weiter seine Hobbys pflegt – das kann von negativen Gedanken und von Stress ablenken und für positive Erfahrungen sorgen (z.B. Kontakt zu Gleichaltrigen, die Möglichkeit, eigene Stärken zu entdecken und weiterzuentwickeln). Feste Abläufe können Sie z.B. in einen Plan eintragen. Halten Sie sich auch weiter an vereinbarte Familienregeln, denn die geben Ihrem Kind Sicherheit.

  2. Zu Aktivitäten und Kontakten ermutigen

    Auch wenn sich Ihr Kind aufgrund der Depression lustlos zeigt, sollten Sie es motivieren, etwas zu unternehmen. Das ist wichtig, weil ein weiterer Rückzug die Depression verstärken kann. Aktiv zu sein, kann die Stimmung Ihres Kindes verbessern. Sammeln Sie zusammen mit Ihrem Kind Ideen für mögliche Aktivitäten und planen Sie diese dann gemeinsam. Bieten Sie Ihrem Kind auch Unterstützung bei der Umsetzung an. Es sollte etwas sein, das Ihrem Kind Freude macht bzw. vor der Erkrankung Freude gemacht hat, und es sollte selbst entscheiden können, was es unternehmen will. Dabei gilt: Sport und Bewegung sind immer gut. Verabredungen mit Gleichaltrigen sind besonders wichtig und gesund. Auch „kleinere“ Aktivitäten (wie lesen oder Musik hören) können Spaß machen und positiv wirken. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, seien Sie selbst aktiv – am besten zusammen als Familie.

TEAMWORK

Im Umgang mit einem depressiven Kind oder Jugendlichen ist es besonders wichtig, dass beide Elternteile in Erziehungsfragen und in wesentlichen Absprachen übereinstimmen. Wenn Sie sich einig sind in Bezug auf Schlafenszeiten, Ausgehzeiten, Schulaufgaben, Mitarbeit im Haushalt, Freizeitgestaltung und Mediennutzung, geben Sie Ihrem Kind Sicherheit. Und die ist während einer depressiven Erkrankung von besonderer Bedeutung. Es ist sinnvoll, dass sich beide Elternteile bezüglich sämtlicher Regeln abstimmen und sie zusammen durchsetzen. Auch bei getrennten Elternteilen bleibt das wichtig. Falls Sie alleinerziehend sind, kann es hilfreich sein, sich über manche Erziehungsfragen und Sorgen z.B. mit Freund*innen oder Verwandten auszutauschen, sich also aktiv Unterstützung zu holen. Auch damit vermitteln Sie Ihrem Kind Sicherheit.

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ACHTEN SIE AUCH AUF SICH SELBST

Als Eltern können Sie nicht immer alles schaffen, vor allem nicht alles gleichzeitig. Das gilt sowohl für Paare als auch für Alleinerziehende. Ein Tipp: Nehmen Sie Kontakt zu anderen Eltern auf, die ein depressives Kind haben, und tauschen Sie Erfahrungen aus. Das kann sehr entlastend sein. Eltern können sich aus unterschiedlichen Gründen mit einem depressiven Kind überfordert fühlen. Holen Sie sich selbst rechtzeitig Hilfe, wenn Sie sich über längere Zeit bzw. wiederholt überfordert fühlen. Sie können z.B. eine Erziehungsberatungsstelle aufsuchen oder sich an geeignete Therapeut*innen für Erwachsene wenden. Hier finden Sie weitere geeignete Anlaufstellen.